Massaad trainiert in Grenzau für London

20.06.2012

Profi trainiert in Grenzau für Olympia.


Mit 48 Jahren für Olympia qualifiziert

 Tischtennis Deutsch-Ägypter Adel Massaad bereitet sich derzeit in Grenzau auf die Olympischen Spiele in London vor

 Grenzau. Unverhofft kommt manchmal oft: Adel Massaad reist im Sommer zu den Olympischen Spielen nach London, ist als Doppelspezialist für die Mannschaft Ägyptens nominiert worden. Mit stolzen 48 Jahren dürfte er einer der ältesten Teilnehmer der Spiele sein. Sein Debüt bei Olympia feierte er übrigens vor vier Jahren in Peking – mit damals 44 Jahren.

Zwei Einzelspieler durfte Ägypten für die Spiele melden. Als man sich dann aber auch mit der Mannschaft für Olympia qualifizierte, benötigte man auch einen Doppelspieler. Massaad, in Moers geboren, reiste zum Ausscheidungsturnier nach Kairo. Jahrelang hatte er als Profi in Deutschland gespielt, war den besten Spielern und gegen die besten Spieler der Welt angetreten. „Ich wusste, meine Chancen stehen nicht schlecht“, sagt der Deutsch-Ägypter, dessen Vater aus Ägypten stammt. Es kam, was kommen musste: Massaad gewann das Turnier. Der Verband hatte ein Problem.

„Andere wollen immer vorgeben, ab wann man alt zu sein hat. Ich werde Ende Juni 48 Jahre alt, da haben die natürlich gesagt: Geht das überhaupt. Aber am Ende ist entscheidend, wie fit du körperlich bist. Und ich glaube da kann ich dem einen oder anderen Spieler noch etwas vormachen.“ Der Verband brauchte eine Weile, um sich am Ende für Massaad zu entscheiden, der in der Vorwoche dann die frohe Botschaft erhielt. „Das lief wie als Boris Becker Schluss gemacht hat: per SMS“, lacht Massaad. Der Präsident des ägyptischen Tischtennisverbands meldete sich per Kurznachricht: „Herzlichen Glückwunsch, du bist in London dabei. Komm bitte nach Kairo um alle weiteren Formalitäten mit dem Nationalen Olympischen Komitee zu klären.“

Vor vier Jahren in Peking scheiterte Massaad mit damals 44 Jahren im Einzel bereits in der Qualifikation, das Erlebnis Olympia aber war prägend. „Das ist natürlich ein unvergleichliches Event“, schwärmt Massaad. „Das ist schon toll, wenn du da durch das Dorf gehst, die Sportler haben alle so einen Killerblick. Die wollen alle gewinnen. Da stehen ein Dirk Nowitzki oder ein Roger Federer genauso am Buffet wie du und warten in der Schlange. Das ist für mich der Inbegriff des Sports. Dabei sein ist alles und trotzdem ist es so: Jeder will gewinnen.“

Am Tischtennisstützpunkt in Grenzau bereitet sich Massaad derzeit gemeinsam mit seinem persönlichen Trainer Chen Zhibin auf Olympia vor. Zhibon war schon Bundesligatrainer beim TTC Zugbrücke Grenzau, zudem hat er früher bereits gemeinsam mit Massaad gespielt. Aus Kollegen wurden Freunde. „Die Arbeit mit Chen ist immens wichtig für mich, denn die Technik im Tischtennis hat sich enorm weiterentwickelt“, sagt der Deutsch-Ägypter. Bis zu fünf Stunden am Tag trainieren die beiden gemeinsam – das Abenteuer Olympia kann kommen. Seine Familie weiß übrigens noch nichts davon, dass der Papa im Sommer noch mal auf große Reise geht. „Das weiß noch keiner, das ist noch ein Geheimnis. Mein Neffe und mein Schwager reisen zu Olympia und schauen sich die Tischtennis-Wettkämpfe an. Ich werde sie anrufen, wenn wir einmarschieren, und ihnen sagen: Schaut mal genau, links neben der Fahne, da bin ich.“

Verweis: Ein Video zu Adel Massaad gibt es im Internet auf www.rz-online.de im Bereich Sport

Buz: Adel Massaad (rechts) bereitet sich derzeit mit seinem Freund und persönlichen Trainer Chen Zhibin in Grenzau auf die Olympischen Spiele in London vor.
Foto/Text: Tom Neumann



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